Portrait Dorothee de Place

Dorothee de Place

| Regie | Schauspiel | Inklusive Theaterarbeit | Workshops |

Wer

Was

Wie

Dorothee de Place studierte Intercultural Theatre and Education an der Kunsthochschule Utrecht in den Niederlanden und DanceAbility (Kontaktimprovisation in mixed-abled Gruppen) bei dem amerikanischen Tänzer und Choreographen Alito Alessi.

Als freie Regisseurin, Schauspielerin und Theaterpädagogin in Hamburg arbeitet sie auf der Grundlage der Schauspielpädagogik Jacques Lecoqs. Oft sind ihre Inszenierungen Stückentwicklungen in Zusammenarbeit mit sehr heterogenen Gruppen: inklusiv, interkulturell und interdisziplinär. Sie entwickelt eine sinnliche Bildsprache, in der Raum, Bewegung, Geräusch, Material und Rhythmik nicht weniger wirkmächtig sind als Sprache. Dabei arbeitet sie sowohl für ein junges als auch für ein möglichst breites (erwachsenes) Publikum. Zudem unterrichtet sie Studierende, Lehrkräfte, Laien und Künstler*innen – unabhängig davon, ob sie als behindert gelabelt sind oder nicht.

Theater

Seit 2007 gehört sie zum Team des Forschungstheaters im FUNDUS THEATER, das performative Konzepte für und mit Schulklassen entwickelt und umsetzt.

Von 2008 bis 2015 entwickelte sie pro Spielzeit eine Produktion mit einer der integrativen Theatergruppen Eisenhans am Thalia Theater Hamburg, deren erste 2009 einen Förderpreis Theater bewegt der Hamburg Mannheimer Stiftung gewann.

Ebenfalls 2008 wurde ihre Inszenierung des Kindertheaterstücks Han Gan und das Wunderpferd (Produktion: kinderkinder e.V. in Hamburg am FUNDUS THEATER und auf Kampnagel) zum Shanghai International Contemporary Theater Festival nach China eingeladen.

Nach einem Semester als Gastdozentin in Schauspiel und kollektiver Stückentwicklung an der Janaček Akademie für Musik und Darstellende Kunst, Brno, Tschechien, führten sie weitere Lehraufträge an die Leuphana Universität, Lüneburg, die Kunsthochschule Utrecht in den Niederlanden und die Akademie für Musik und darstellende Kunst in Prag, Tschechien, sowie zu KPAG in Kenia und zur Theater Summer School in Shiroka Luka, Bulgarien. Im Kollektiv mit dem Klabauter Ensemble unterrichtete sie am Goethe Institut in Zagreb, Kroatien, an der Theaterakademie Hamburg und für den Bundesverband Theater in Schulen.

Vielfalt

Von 2015 bis 2019 leitete sie das Klabauter Theater und das Klabauter Ensemble, eine Off-Spielstätte mit einem Ensemble aus Schauspieler*innen, die als behindert gelabelt werden. Unter ihrer Leitung gewann das Theater 2018 zahlreiche Preise (Mentoring-Preis im Festival Hauptsache Frei, Publikumspreis im Körber Studio Junge Regie für eine Kooperation mit dem Mozarteum in Salzburg und den Förderpreis Kultur der Sparda Bank Hamburg Awards) und wurde in der Saisonbilanz des Magazins Die deutsche Bühne als bundesweit herausragend im Bereich Freie Szene und als „Gruppe, die ein künstlerisch besonders mutiges, ausgefallenes und dabei tragfähiges Profil pflegt“ benannt. 2019 folgte die Anerkennung als professionelle Bühne und die Förderung als Privattheater durch die Behörde für Kultur und Medien Hamburg.  

In dieser Zeit entstanden zahlreiche Produktionen unter ihrer Regie und Koproduktionen mit freien Künstler*innen sowie Kooperationen mit dem dreamtime festival Milano, Italien, und dem Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin.

Kooperation

Dorothee de Place ist derzeit im Vorstand des Bündnisses für Festivals der freien Tanz- und Theaterschaffenden Hamburg und von artists for children Germany e.V.

Sie ist Teil der Netzwerke Die Vielen, Europe beyond access und danceability international und kooperiert mit Schulen und Bildungsinstitutionen im Rahmen der Programme TUSCH, Kulturagenten und Respekt Coaches.

Dorothee ist verheiratet und Mutter zweier Kinder.

Workshops
& Fortbildungen


Ich unterrichte Studierende und Multiplikator*innen und erarbeite gemeinsam mit den unterschiedlichsten Gruppen Theaterprojekte rund um die folgenden Themen und Lernbereiche:


Erzähltheater

Im klassischen Schauspiel verschwinden die Darsteller*innen hinter ihren Rollen und erzeugen die Illusion anderer Menschen an einem anderen Ort. Erzähltheater ist eines der Formate, die anders arbeiten: Im Hier und Jetzt verhandeln die Schauspieler*innen ein Thema mit dem Publikum. Szenen werden gespielt, doch die Spieler*innen können aus der Rolle treten, Abkürzungen nehmen, Fragen stellen, Vorträge halten, in Streit geraten, die Rollen wechseln, alternative Situationen proben oder Werbeblocks einschieben. Der Raum und das Publikum ist sichtbar und kann zum Mitspieler werden. Anhand bekannter Kurzgeschichten erproben wir im Workshop die Möglichkeiten dieses Formats. Ensemblearbeit, Chor, Fokus, Pantomime und freies Erzählen sind Lernfelder.


DanceAbility

„DanceAbility ist eine Bewegungs- und Tanzmethode für alle Menschen in jeglicher Kombination von Menschen, um die eigene Bewegungssprache zu erforschen, und um sich selber in Beziehung zum Gegenüber und zur ganzen Gruppe zu erleben. Auf diese Weise entsteht ein Tanz, bei dem Menschen mit einer unterschiedlichen Vielfalt an Bewegungsmöglichkeiten eine gemeinsame Basis künstlerischen Ausdrucks entdecken.“ (www.danceability.de)

DanceAbility wurde und wird seit 1987 zunächst in der Zusammenarbeit von Alito Alessi, Karen Nelson und Emery Blackwell in Eugene, Oregon entwickelt. Seit 1997 finden regelmäßig internationale Teacher-Trainings auch in Europa statt und wird die Methode auf allen fünf Kontinenten angewandt und weiter entwickelt.

DanceAbility fußt auf Kontaktimprovisation.

Es schult Improvisation, also das (intuitive) Treffen von Entscheidungen in Beziehung zu und im Kontext der mich umgebenden Situation.

Es schult Kontakt, also die Qualität der Wahrnehmung und Aufmerksamkeit in Bezug auf: mich und meinen Körper | die Beziehung zu einer anderen Person | den Raum | die Gemeinschaft

Letztlich besteht also jede Aktivität aus den gleichen Schritten: Ich nehme wahr, was ist. | Ich treffe eine Entscheidung/Ich tue etwas (nicht). | Ich nehme wahr, was sich verändert hat/wie meine Entscheidung (auf andere) wirkt.

Austausch & Access


Ich glaube an Vielfalt als Quelle von Kraft – sowohl von Sicherheit und Stabilität als auch von Veränderung und Erneuerung.


Unsere Gesellschaft ist jedoch in fast allen Bereichen nicht auf Diversität ausgelegt. Gebäude und Kommunikationswege, die die meisten ganz selbstverständlich nutzen, schließen manche Menschen aus. Um Einzigartigkeit und Vielfalt fruchtbar zu machen, müssen wir Räume öffnen, Zugänge schaffen, Kommunikation kritisch hinterfragen und Barrieren abbauen. Als Kulturschaffende sehe ich mich hier in der Verantwortung.

Vielfalt und Gleichwertigkeit zu leben ist Arbeit, die sich lohnt – FÜR ALLE.

Oft entstehen Missverständnisse aus der Erwartung heraus, dass das gegenseitige Verständnis grundlegend gegeben sei. Man nimmt an, dass das Gegenüber ähnlich wahrnimmt und denkt. Die eigene Wahrnehmung wird so zum Maßstab gemacht. Stellt sich diese Annahme rückblickend als falsch heraus, weil Andere auf Basis ihrer Erfahrungswelt etwas anders ausdrücken oder verstehen, ist man überrascht und stellt sich die Frage nach dem Schuldigen: „War es mein Fehler oder der meines Gegenüber?“

Beide richtig – nur eben anders.

Wo die Diversität einer Gruppe bewusst wahrgenommen wird, wo man sich mit Andersartigkeit konfrontiert, ist allen klar, dass Verständigung nicht Realität sondern Aufgabe ist, dass man einen Weg zurücklegen muss, um einander zu begegnen. Die Aufmerksamkeit in der Kommunikation steigt. Auch die Zeit, die man sich für Kommunikation nimmt, steigt. Missverständnisse und Irritationen kommen daher viel seltener vor. Dadurch steigt auch die Sicherheit und das Vertrauen in der Gruppe. Ebenso steigt die Möglichkeit, etwas zu lernen und zu entdecken, enorm.

DanceAbility
DanceAbility Konferenz in Trier, 2015

Augenhöhe ist da möglich, wo alle bereit sind, sich als Lernende zu begreifen. Ich selbst finde das sehr befreiend. Zu wissen, dass ich (noch) nicht alles (allein) können und schaffen muss, weil das menschlich ist, es also letztlich Allen so geht, hilft mir sehr, geduldig mit mir selbst zu sein. Auch wenn ich merke, dass ich manchen Menschen gegenüber Hemmungen habe, zuzugeben, dass ich etwas nicht (allein) kann. Ich habe jedoch erlebt, dass eine Gruppe, in der man offen über eigene Grenzen sprechen kann, sehr gut und effektiv arbeitet. Denn für ein Problem, das offen auf dem Tisch liegt, findet sich in der Regel sehr schnell innerhalb der Gruppe eine Lösung. Probleme, die man vergräbt, weil man sich schämt sie anzusprechen, können im Verborgenen wachsen und zeigen sich dann oft im ungünstigsten Moment.

Ich stelle fest, dass Verantwortung zu tragen mir nicht nur Freude macht, und ich darin Bestätigung finde, sondern dass es auch immer wieder neue Kräfte in mir mobilisiert. Diese Erfahrung wünsche ich möglichst vielen Menschen. Daher arbeite ich stets mit dem Ziel, Verantwortung zu teilen, Entscheidungen gemeinsam zu treffen und zu vertreten, Konsequenzen gemeinsam zu bedenken, zu feiern oder auch auszuhalten.